Betriebs Philosophie
Der Weinbauer setzt die Magie des Bodens frei, wenn er die Erde bearbeitet; er bringt die Seesterne ans Licht; die See ist verschwunden, doch die Sterne sind noch da. Er entlockt den Steinen ihre Poesie, dem Sandstein, dem Kies, dem Eisen, der Kieselerde, die von der Sonne geladen, vom Blitz gespalten, von den Winden poliert und von den Gletschern blankgeschliffen sind; jedem bringt er seine Erinnerung an den Tag.
Die Steine zeugen von einer anderen Zeit, die Reben schöpfen aus diesem Gedächtnis, wenn sie Nahrung aufnehmen. Die Steine bilden eine Art Grammatik der Weinlage, eine Herkunft, die ihre eigene Zeit kennt und nicht verschiebbar ist.
Das ist der Boden, auf dem der Rebstock, dieser langgestreckte quergestreifte Muskel, die Verbindung zum Himmel aufnimmt.
An diesem Rebstock zeigt sich die Ueberfülle der Natur und durch den Willen zur Kultur, vollbringt der Weinbauer es, eine herrliche Möglichkeit zu schaffen, ja die beste Möglichkeit zu erwecken, während tausend andere Weisen auch möglich wären.
Das ist das Wechselspiel zwischen Natur und Kultur in der der Weinbauer einem Priester und Demiurgen gleich Ethik und Aesthetik verbindet, Energie und Form vereint, Zucht und Beschränkung auferlegt – Raum gewährt.
Der Wein schliesslich, ist dann Sache der Hände und Griffe, der Kometen und Monde, des Irrationalen. Hier ist der Weinbauer Alchemist, er weiss um die Vielzahl von Zeiten und er weiss um das Mass. Viele Stunden lauscht er zwischen den Fässern dem Gären und achtet auf den Höhepunkt, dass die Seele des Weines zutage treten kann.von Marlen Karlen
History
Seit über 25 Jahren stellt Guido Lenz seinen eigenen Wein her. Im ersten Jahr spritzte er die Reben seines Grossvaters mit kupferhaltiger Bordeauxbrühe, wie alle anderen auch. Er fühlte aber, dass es nicht zwingender Massen sein muss, die Pflanzen und die Umgebung mit Gift einzunebeln. Also begann er früh mit dem Experimentieren im Anbau und in der Weinproduktion, um ökologischere und ganzheitlichere Methoden herauszufinden.
Als erster Weinbauer importierte er interspezifische Rebsorten, die eine höhere Resistenz gegen Pilzkrankheiten besitzen und legte einen Naturrebberg an, der nicht auf Maximalertrag ausgelegt ist, sondern das ökologische Gleichgewicht und Harmonie aller Lebewesen ins Zentrum des Wirtschaftens stellt. Seit geraumer Zeit ist die Knospe als Biolabel etabliert und nicht wenige Weinbauern in der Schweiz produzieren nach diesen Richtlinien. Eine an sich erfreuliche Entwicklung. Biolenz geht aber noch einen Schritt weiter: bio and beyond, wie wir das nennen. Die Geisteshaltung, die wir bei unserer Arbeit einnehmen, beeinflusst unserer Intuition nach das Verhältnis mit den Pflanzen und Tieren. Wir verstehen uns als Naturforschende, als eigentliche Grundlagenforscher, welche die äussere und die innere, geistige Realität als Einheit anschauen. Im Einklang mit östlichen Philosophien und moderner Quantenphysik besteht die Natur nicht aus unabhängigen Entitäten: Jedes Tier und jede Pflanze ist miteinander in einem verschlungenen Netz verbunden. Dieser Tatsache versuchen wir im Weinbau Rechnung zu tragen. Ob wir die Pilzkrankheiten der Reben als etwas Schlechtes ausmerzen und bekämpfen wollen oder ob wir aufs Positive fokussieren und schauen, was die Pflanzen für Bedürfnisse haben, spielt eben eine Rolle. Wir haben uns für das Positive entschieden.
Das zeremonielle Arbeiten ist ein Ausdruck für unsere innere Haltung. Die einzelnen Arbeitsschritte geschehen immer in voller Bewusstheit der Einflüsse auf die Mitwelt. Das Arbeiten geschieht zum Wohle der Natur und zur Heilung der Menschen. Die Rebberge von biolenz sollen Orte der Begegnung sein, des Feierns, der Dankbarkeit und des offenen Dialoges. Die Zeremonien sind Hilfsmittel, um diese Geisteshaltung zu stärken, die in unserem Alltag nur allzu leicht in Vergessenheit gerät und durch Alltagssorgen zugedeckt wird. Es sind die Türen zu einem ganzheitlichen Bewusstsein.
Im globalen 21.Jh brauchen wir einen offenen Dialog zwischen den Produzenten von Nahrungsmittel und den Konsumenten. Was sollen wir auf welche Weise produzieren? Wie sollen wir mit der bedrohten Ressource Boden umgehen? Wie viel Geld sind die Konsumenten bereit für qualitativ hochwertige, lebendige Produkte zu bezahlen?
Die Kulturprojekte von Marlen Karlen zielen auf diesen Dialog ab (www.vogelgespraeche.ch) und machen die Ästhetik der Artenvielfalt als Lebensraum erfahrbar. Die Leute aus den Städten sollen in den Rebbergen aktiv ihre Ideen kommunizieren und gemeinsam die Landwirtschaft mit kreativer Energie füllen. Neue Lösungen sollen gemeinsam gefunden werden und die Kunst erfreut dabei unsere Seelen.
Das ganze ist ein laufender Prozess, ein offenes, dynamisches Experiment und wir freuen uns, diesen spannenden Weg mit Euch zu teilen.