Biolenz - Engelwurz AG > Bio Weinbau and beyond

Landwirtschaft als Raum für persönliche Entwicklung

Über dem Weinberg flattern Tausende von Gebetsfahnen und verteilen ihre Gebete in alle Himmelsrichtungen. An den Reben hängen die reifen Trauben, in den Hecken lauern Vögel. Die Luft ist erfüllt von der herbstlichen Fülle und ein farbiger Zirkuswagen bietet gemütliches Obdach. An diesem Ort stehen das ökologische Gleichgewicht und die Harmonie aller Lebewesen im Zentrum des Wirtschaftens.
Jeden September sind Menschen in den Naturrebberg Nobleten eingeladen, um hier 24 Stunden zu verbringen. Hier sollen sie Gespräche mit den Vögeln führen, die reifenden Trauben beschützen. Und vielleicht können sie dabei in Verbindung mit dem grossen Ganzen treten und Natur, Landwirtschaft und sich selber neu zu erleben.
Dies ist nur eines der Projekte, die Marlen Karlen und Guido Lenz gemeinsam betreiben.
Die Geschichte beginnt mit dem Weingut, das Guido vor bald 30 Jahren in Uesslingen von seinem Grossvater übernehmen konnte. Er spürte bereits damals, dass es auch in der Landwirtschaft neue Wege braucht, die zu mehr Kooperation führen und Toleranz gegenüber den Arten verbreitet. Als erster Weinbauer in der Schweiz begann er resistente Rebsorten zu pflanzen. Anstatt die Pilzkrankheiten der Reben als etwas Schlechtes bekämpfen zu wollen, beschloss er, aufs Positive zu fokussieren und zu schauen, was die Reben für Bedürfnisse haben und was der Berg will. Die aus den Trauben entstehenden Weine sind kompromisslose Naturprodukte und fordern die gängigen Geschmacksgewohnheiten heraus. Wenn man sich darauf einlässt, erweisen sie sich aber als sehr ehrliche und schmackhafte Produkte.
Mit Engelwurz AG ist 2007 eine neue Sparte und eine neue Betriebsorganisation dazugekommen. Der Betrieb ist nun ein Partnerunternehmen von axisBildung, ein sozialpädagogisches Projekt der rundumkultur.ch.

Auf ihrem Weingut bilden Marlen und Guido Jugendliche aus, die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine Chance haben. engelwurz begleitet die jungen Menschen in ihrem Lebensprozess und führt sie in die Welt der landwirtschaftlichen Berufe ein. Zu den Reben werden zwischen den Reihen Kräuter gesetzt, die neu als Heil- und Teekräuter in den Verkauf gelangen und zu Kräutersalzen und Spezialitätenessige verarbeitet werden. Da wechseln sich Königskerzen mit Malven, roter Sonnenhut und Gewürztagetes ab – ein wahrer Regenbogen am Iselisberg eingewirkt in die Monokultur der Rebberg.

Zum Wein- und Kräuterbau der Marke biolenz gehören neuerdings zwei junge mongolische Kamelmädchen, mit ihrem Dung helfen sie die Kreisläufe schliessen. Sie lernen mit den Menschen Wege zurücklegen und in nächster Zukunft, Werkzeuge zu tragen, da dieser Betrieb auch völlig ohne Maschinen und fremdem synthetischem Dünger auskommen will. Der Umgang mit dem Lernen mit Tieren stellt für alle Beteiligten eine neue Dimension dar und fordert auf, sich authentisch zu begegnen und dem eigenen Lernen neue Namen zu geben.

Guido und Marlen sind stets darum bemüht, im Betrieb Schönheit entstehen und wirken zu lassen. Für sie ist das Arbeiten im Rebberg eine Zeremonie, zum Wohle der Natur und zur Heilung des Menschen. Kunst und Kultur haben einen festen Stellenwert im Jahreszyklus und die Rebberge sind Orte der Begegnung, des Feierns, der Dankbarkeit und des Dialogs. So bauen Guido und Marlen am verschlungenen Netz das alles zusammenhält und möchten fürs globale 21.Jh auch ganz pragmatisch die Vernetzung und damit den Dialog zwischen den Produzenten von Nahrungsmittel und den Konsumenten stärken. Damit wir gemeinsam die Landwirtschaft mit kreativer Energie füllen.